nächtliche Asphaltierungsarbeiten auf der Bundesstraße 12 bei Buchloe
© Kutter GmbH & Co. KG Bauunternehmung, Memmingen

Erhaltungsmanagement auf Bayerns Straßen

Die Bereitstellung einer leistungsfähigen und verkehrssicheren Straßeninfrastruktur ist eine der wesentlichen Aufgaben der Bayerischen Staatsbauverwaltung. Die zunehmende Verkehrsbelastung insbesondere durch den Schwerverkehr, die ungünstiger werdende Altersstruktur sowie der wirtschaftliche Einsatz der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel stellen jedoch große Herausforderungen an die Erhaltung dar. Daher wurde für die Bundes- und Staatsstraßen in Bayern bereits in den 1990er Jahren ein netzweites Erhaltungsmanagement aufgebaut.

Werkzeuge im Erhaltungsmanagement

Um mit dem eingesetzten Geld einen optimalen Nutzen zu erzielen, setzt die Bayerische Straßenbauverwaltung moderne Werkzeuge des systematischen Erhaltungsmanagements ein und entwickelt diese konsequent weiter.

Prozesskreislauf Erhaltungsmanagement
© Bayerische Straßenbauverwaltung

Eine der wichtigsten Grundlagen für das Erhaltungsmanagement sind die Ergebnisse der im vierjährigen Turnus stattfindenden netzweiten Zustandserfassung und -bewertung (ZEB) der Fahrbahnen. Bei den Brücken basiert das Erhaltungsmanagement auf den Ergebnissen der turnusmäßigen Bauwerksprüfungen nach DIN 1076 (nähere Informationen beim Thema Brückenbau). Aufbauend auf den ZEB-Ergebnissen werden im Rahmen der Verbesserten Erhaltungsplanung (VEP) automatisch Erhaltungsabschnitte generiert. Auf Grundlage der erhobenen Zustandsdaten erstellen die Staatlichen Bauämter das mehrjährige Koordinierte Erhaltungs- und Bauprogramm (KEB) für die Fahrbahnen und Brücken. Hierbei wird ein spezifischer Mittelverteilungsschlüssel angewendet, der regelmäßig fortgeschrieben wird. Aus dem KEB werden die jährlichen Bauprogramme der Bestandserhaltung Fahrbahnen und Brücken entwickelt. Ein wichtiger Baustein des Erhaltungsmanagements ist das KEB-Controlling, das jährlich von den Regierungen durchgeführt wird.

Zustandserfassung und -bewertung der Fahrbahnen

Im Jahr 2019 fand wieder eine Zustandserfassung und -bewertung (ZEB) der Bundes- und Staatsstraßen in Bayern statt.

Zustand der Bundes- und Staatsstraßen (Stand: ZEB 2019)
© Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr

Der Gebrauchswert (GEB) ist ein wichtiger Wert für den Zustand der Fahrbahn aus Sicht des Nutzers (Fahrkomfort, Verkehrssicherheit). Der Substanzwert (Oberfläche) (SUB) ist ein wichtiger Wert für den Zustand der Fahrbahn aus Sicht des Straßenbaulastträgers.

Bei den Bundesstraßen ergab die ZEB 2019, dass sich beim Gebrauchswert 88 % und beim Substanzwert (Oberfläche) 67 % der Fahrbahnen in einem guten Zustand befinden. Der Vergleich der Ergebnisse der ZEB 2019 mit den Ergebnissen der ZEB-Kampagnen 2015 und 2011 zeigt, dass beide Werte zum zweiten Mal in Folge im Vergleich zur vorherigen Kampagne verbessert werden konnten. Mit den in den letzten Jahren zur Verfügung gestellten höheren Haushaltsmitteln konnten auch Maßnahmen durchgeführt werden, mit denen eine Substanzverbesserung erzielt wurde. Die positive Entwicklung des Fahrbahnzustandes konnte somit fortgesetzt werden.

Bei den Staatsstraßen ergab die ZEB 2019, dass sich beim Gebrauchswert 67 % und beim Substanzwert (Oberfläche) 45 % der Fahrbahnen in einem guten Zustand befinden. Der Kampagnenvergleich zeigt auch hier, dass beide Werte zum zweiten Mal in Folge im Vergleich zur vorherigen Kampagne verbessert werden konnten. Dies zeigt, dass sich der Fahrbahnzustand der Staatsstraßen durch den erhöhten Mitteleinsatz der letzten Jahre positiv entwickelt hat. Mit den zur Verfügung stehenden Haushaltsmitteln konnten vor allem Erhaltungsmaßnahmen realisiert werden, die zu einer Verbesserung des Gebrauchswertes geführt haben. Für eine weitere Verbesserung des Substanzwertes (Oberfläche) sind zusätzliche Haushaltsmittel erforderlich.

Der Zustand der Bundesstraßen ist dabei deutlich besser als der Zustand der Staatsstraßen. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass die Ausgaben für die Bestandserhaltung der Fahrbahnen bezogen auf einen Quadratmeter Fahrbahnfläche bei den Bundesstraßen in den letzten Jahren deutlich höher waren als bei den Staatsstraßen.

Tragfähigkeitsmessung der Fahrbahnen (Pilotprojekt)

Das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr hat im Jahren 2019 in einem Pilotprojekt erstmals die Tragfähigkeit der Fahrbahnen des gesamten Staatsstraßennetzes mit dem Traffic Speed Deflectometer (TSD) erfassen und auswerten lassen. Im Rahmen der Zustandserfassung und -bewertung (ZEB) wird der oberflächliche Zustand der Fahrbahnen erfasst. Für viele strategische und operative Fragestellungen sind jedoch auch Kenntnisse zur Tragfähigkeit des Straßenaufbaus erforderlich. Die Ergebnisse helfen, die Planung der Erhaltungsmaßnahmen in den nächsten Jahren zu optimieren. Die zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel können somit noch wirtschaftlicher eingesetzt werden. Mit diesem innovativen und deutschlandweit einmaligen Pilotprojekt ist das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr einen zukunftsweisenden Weg gegangen.

Koordiniertes Erhaltungs- und Bauprogramm

Aufbauend auf den Ergebnissen der Zustandserfassung und -bewertung (ZEB) 2019 wurde bereits die Verbesserte Erhaltungsplanung (VEP) durchgeführt. Derzeit wird die Aufstellung des neuen Koordinierten Erhaltungs- und Bauprogramms (KEB) vorbereitet. Wir sind sehr optimistisch, dass die Staatlichen Bauämter noch in der ersten Jahreshälfte 2021 mit der Aufstellung beginnen können.

Das aktuelle Bauprogramm der Bestandserhaltung kann auf den Internetseiten der Staatlichen Bauämter eingesehen werden.

Ausblick

Die Erhaltung der Bundes- und Staatsstraßen in Bayern stellt eine der zentralen Aufgaben der Bayerischen Staatsbauverwaltung dar. Um die positive Entwicklung des Fahrbahnzustandes fortsetzen zu können, müssen künftig verstärkt auch substanzverbessernde Maßnahmen realisiert werden. Mit dem Pilotprojekt Tragfähigkeitsmessung hat das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr die hierfür erforderlichen Grundlagen geschaffen.

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