Bauarbeiten am Gleis
© Bayerisches Staatsministerium des Innern, für Bau und Verkehr

Schieneninfrastruktur

Die originäre Zuständigkeit für den Ausbau der bundeseigenen Schieneninfrastruktur liegt beim Bund. Art. 87e Abs. 4 S. 1 Grundgesetz regelt die Verantwortung des Bundes, eine Grundversorgung an Eisenbahninfrastruktur (Ausbau und Erhalt) sicherzustellen. Diese Netzverantwortung des Bundes gilt grundsätzlich auch für die Infrastruktur im Schienenpersonennahverkehr (SPNV). Die in Art 87e Abs. 4 S. 1 Grundgesetz enthaltene Bereichsausnahme bezieht sich nur auf die Verkehrsangebote im SPNV. Die Aufgaben- und Ausgabenverantwortung der Länder ist demzufolge auf die Bestellung von Verkehrsleistungen im SPNV beschränkt. Trotz der Grundverantwortung des Bundes für den Ausbau und Erhalt der Bundesschienenwege betreibt der Freistaat zur Sicherstellung eines ausreichenden SPNV-Angebotes eine aktive und engagierte Schieneninfrastrukturpolitik. Dies betrifft sowohl die Infrastruktur in der Fläche und zu den Nachbarländern als auch insbesondere die S-Bahn-Infrastrukturen. Der Bund fördert viele dieser Vorhaben  im Rahmen des Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetzes (Bundes-GVFG).

Der Erhalt der Bundesschienenwege wird von den Infrastruktursparten der Deutschen Bahn über die von den Nutzern zu entrichtenden Infrastrukturnutzungsentgelte (Trassen- und Stationsentgelte) sowie durch Mittelzuweisungen des Bundes aufgrund der bis Ende 2029 gültigen Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung III (LuFV III) finanziert.

Für den Aus- und Neubau stellt der Bund der Deutschen Bahn Mittel nach dem Bundesschienenwegeausbaugesetz (BSchwAG) zur Verfügung. Sie werden insbesondere für Projekte des Bedarfsplans Schiene auf Basis des Bundesverkehrswegeplan 2030 eingesetzt..

Aus- und Neubauvorhaben sowie Ersatzinvestitionen bei nichtbundeseigenen Eisenbahnen (NE-Bahnen) fördert der Bund im Rahmen des Schienengüterfernverkehrsnetzförderungsgesetz, sofern sie dem überregionalen Schienengüterverkehr dienen.

Wichtige Infrastrukturprojekte in Bayern finden Sie hier:

Der Freistaat Bayern hat mit seinem Programm „Bahnausbau Region München“ ein Konzept für den Ausbau des Schienenpersonennahverkehrs in der stark wachsenden Metropolregion München auf den Weg gebracht. Es bildet die Grundlage für eine zukunftsweisende Entwicklung der Schieneninfrastruktur.
Derzeit umfasst das Programm 29 mit der Deutschen Bahn abgestimmte Maßnahmen, die sich in der konkreten Planung bzw. in der Umsetzung befinden. Daneben gibt es 43 weiterer Maßnahmen, die zunächst auf ihre verkehrliche Wirkung und bautechnische Machbarkeit untersucht werden, bevor sie konkreter Bestandteil des Programms werden können. Das zentrale Infrastrukturelement ist die 2. Stammstrecke, auf deren Grundlage umfassende qualitative und quantitative Verbesserungen bei der S-Bahn erfolgen können. Außerdem will die Bayerische Staatsregierung will mit dem Programm „Bahnausbau Region München“:

- die Erreichbarkeit des Münchner Flughafens aus vielen bayerischen Landesteilen verbessern,
- den Flughafen schneller mit der Münchner Innenstadt verbinden,
- das Streckennetz rund um München für den weiter zunehmenden Schienenverkehr ertüchtigen,
- das Nadelöhr Münchner S-Bahn-Stammstrecke entschärfen,
- die Fahrzeiten der S-Bahn-Strecken in die Innenstadt verkürzen und
- die Störanfälligkeit des Münchner S-Bahn-Systems reduzieren.

Auf Veranlassung von Bayerns Verkehrsministerin Kerstin Schreyer wurden am 17. Dezember 2021 in den drei regionalen Online-Dialogforen Nordost, Süd und West die örtlichen kommunalen Vertreter durch die Deutsche Bahn AG über den aktuellen Stand der Maßnahmen in Planung und Realisierung informiert. Zudem stellten die vom Freistaat beauftragten Gutachter ihre ersten Ergebnisse aus den Machbarkeitsstudien zu den zu untersuchenden Maßnahmen im Programm „Bahnausbau Region München“ vor. Zahlreiche von ihnen sollen laut Gutachterempfehlung weiterverfolgt werden, um den Öffentlichen Verkehr und insbesondere die S-Bahn noch attraktiver zu machen. Für Maßnahmen, die keine solche Empfehlung bekommen haben, will Staatsministerin Schreyer Ersatzlösungen mit der Region diskutieren. Der dringend notwendige Ausbau der Infrastruktur ist eine wichtige Voraussetzung für die Stärkung des Öffentlichen Verkehrs und insbesondere der S-Bahn, was aber auch große finanzielle Anstrengungen bei Bund und Freistaat erfordert.

Das Bayerische Verkehrsministerium wird zusammen mit der Bahn und den beauftragten Gutachtern weiter über die Entwicklung der Maßnahmen aus dem Programm „Bahnausbau Region München“ informieren. Hierzu soll es auch im kommenden Jahr Dialogforen geben, bei denen die Maßnahmen umfassend diskutiert werden können.

Die 2. Stammstrecke ist das Herzstück des Programms „Bahnausbau Region München“ der Bayerischen Staatsregierung. Sie ist Voraussetzung für eine bessere Anbindung der gesamten Metropolregion an die Münchner Innenstadt und für eine schnelle und attraktive Verbindung zum Flughafen München. Durch den Bau des 2. Stammstreckentunnels wird das Nadelöhr des Münchner S-Bahn Systems beseitigt, damit die Entwicklung des ÖPNV mit der Entwicklung der Metropolregion Schritt halten kann.
Der Großraum München ist eine dynamische Wirtschaftsregion mit enormem Wachstumspotenzial. Entgegen dem bundesweiten Trend wird die Bevölkerung hier deutlich zunehmen und das vor allem im Umland. Die S-Bahn München ist bereits heute eines der größten S-Bahn-Systeme in Deutschland. Mit 150 Stationen, einer Streckenlänge von 442 Kilometern und mehr als 1.000 Zugfahrten pro Tag reicht sie weit in die Region und verbindet die Landeshauptstadt München mit dem Umland. Bei ihrer Inbetriebnahme im Mai 1972 war die S-Bahn für rund 240.000 Fahrgäste pro Werktag konzipiert. Mittlerweile verzeichnet die S-Bahn werktäglich bis zu 840.000 Fahrgäste.
Um die S-Bahn fit für die Zukunft zu machen und die zusätzliche Nachfrage zu befriedigen, erhöht die 2. Stammstrecke die Kapazität zwischen Laim und Leuchtenbergring von zwei auf vier Gleise. Durch Taktverdichtungen werden zukünftig deutlich mehr S-Bahnen über die beiden Strecken fahren. Mit Inbetriebnahme der 2. Stammstrecke wird das Angebot um rund 33% ausgeweitet. Die Kapazitätserweiterung durch die 2. Stammstrecke ist Basis für weitere Ausbaumaßnahmen auf den Außenästen. Die neu einzuführenden Regional-S-Bahnen verbinden in Zukunft auch Regionen außerhalb des jetzigen S-Bahn-Netzes. So werden in Zukunft beispielsweise auch Fahrgäste aus Augsburg, Buchloe und Landshut durch den neuen Tunnel direkt in die Innenstadt fahren können. Von den umsteigefreien Verbindungen und attraktiven Fahrzeiten werden alle Fahrgäste der Metropolregion München profitieren.

Gesamtkonzept Erdinger Ringschluss neu
© Bayerisches Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr

Mit dem Gesamtprojekt Erdinger Ringschluss soll eine Verbesserung der Schienenanbindung des Münchner Flughafens aus allen Landesteilen erreicht werden. Die Vorhaben 1, 2, 4, 6 und 7 sind Bestandteil des vom Freistaat Bayern vorgesehenen Programms Bahnausbau Region München.

Im Imagefilm der Autobahndirektion Südbayern, der im Auftrag des Freistaats Bayern entstand, erhalten Sie einen Überblick über das Projekt Erdinger Ringschluss.

Neufahrner Kurve (Vorhaben 2)

Lückenschluss Flughafen – Erding (Vorhaben 4)

Überwerfungsbauwerk Flughafen West (Vorhaben1)

Walpertskirchner Spange (Vorhaben 6)

Weiterer Ausbau

  • S-Bahn Nürnberg: Ergänzungsnetz Nürnberg - Forchheim - Bamberg, Nürnberg - Ansbach (- Dombühl), Nürnberg - Hartmannshof, Nürnberg - Neumarkt
  • Elektrifizierung der Linie "A" Dachau - Altomünster
  • Elektrifizierung der Strecke Geltendorf - Lindau, inklusive Knoten Lindau
  • Ausbaustrecke Petershausen - Ingolstadt: teilweise Neutrassierung, Modernisierung und Fahrzeitverkürzung auf der Achse zwischen München und Nürnberg
  • Maßnahmen zum Regio-Schienen-Takt Augsburg: Umbau des Augsburger Hauptbahnhofs zur Mobilitätsdrehscheibe, weitere Maßnahmen im Knotenbereich
  • Ausbaustrecke München - Mühldorf - Freilassing Grenze D/A (ABS 38): Ausbau der im Personen- und Güterverkehr stark belasteten Verbindung von München ins Chemiedreieck und nach Österreich - Projektbeirat eingesetzt
  • Aus- und Neubaustrecke Nürnberg - Bamberg - Ebensfeld - Erfurt (VDE 8.1): Neubaustrecke durch den Thüringer Wald und Ausbau bestehender Streckenabschnitte unter anderem zur Verkürzung der Reisezeiten München - Nürnberg - Berlin
  • Ausbaustrecke Nürnberg - Marktredwitz - Hof - Schirnding Grenze D/CZ: Elektrifizierung der Franken-Sachsen-Magistrale und der Verbindung Nürnberg - Cheb/Eger - Prag (Memorandum über den Schienenverkehr zwischen Tschechien und Bayern)
  • Aus- und Neubaustrecke (Frankfurt -) Hanau - Nantenbach (- Würzburg): Beschleunigung und Modernisierung der im Personen- und Güterverkehr bedeutenden Eisenbahnstrecke über den Spessart
  • Aus- und Neubaustrecke München - Rosenheim - Kiefersfelden Grenze D/A (Brennerzulauf): Schaffung der notwendigen Kapazitäten für den transalpinen Personenfern- und Güterverkehr im Zulauf auf den geplanten Brennerbasistunnel
  • Ausbaustrecke Augsburg - Neu-Ulm: Erweiterung und Beschleunigung der Magistrale zwischen München über Augsburg nach Stuttgart